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Konzernlagebericht

 

12. Ausblick*

12.1 Gesamtwirtschaft: Hoffnungen richten sich auf Schwellenländer

Nachdem die Weltwirtschaft 2016 die konjunkturelle Talsohle durchschritten hat, rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) für 2017 mit einem Zuwachs des realen Weltbruttoinlandsprodukts um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit würde sich die Weltwirtschaft knapp über dem langjährigen Mittel der Jahre 1980 bis 2008 – also vor der großen Rezession – entwickeln.

Als potenziell wachstumsfördernd werten Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) die weiterhin expansive Geldpolitik, eine Beschleunigung des Lohnanstiegs sowie Impulse der Finanzpolitik, wie sie in den Vereinigten Staaten der neue Präsident Donald Trump angekündigt hat. Die neue amerikanische Regierung ist aller Voraussicht nach gewillt, für mehr Wachstum zu sorgen. Sie plant einen positiven „Nachfrageschock“: Die Ausgaben für Infrastruktur sollen deutlich ausgeweitet werden. Gleichzeitig sollen die Steuern besonders für Unternehmen gesenkt und regulatorische Hemmnisse abgebaut werden, sodass auch auf der Angebotsseite mit einer zumindest zeitweiligen Dynamik zu rechnen sein dürfte.

In den Schwellenländern dürfte nach Einschätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft die wirtschaftliche Expansion allmählich zunehmen. „Angesichts weiterhin relativ niedriger Rohstoffpreise und vielfach ungelöster struktureller Probleme dürfte sich aber keine große Dynamik entfalten“, so die Forscher. Speziell für China prognostizieren sie ein weiteres Abflauen der Zuwachsraten. Experten warnen trotz der neuen Strategie – statt auf Export, Schwerindustrie und schuldenfinanzierten Investitionen soll die Wirtschaft auf einer stärken Binnennachfrage, Innovationen und Dienstleistungen basieren – davor, dass das derzeitige chinesische Wachstumsmodell nicht nachhaltig sei. Die Wirtschaft sei noch immer zu sehr von stimulierenden Maßnahmen der Regierung abhängig, schreibt der Internationale Währungsfonds in einem Bericht. Es drohe eine „starke Abschwächung“, sollte die Kreditvergabe weiter rasant wachsen und die Regierung nicht entschlossener gegen die hohen Schulden der Unternehmen vorgehen. Nachdem die expansiven geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen, mit denen die Regierung 2016 die Konjunktur stützte, ausgelaufen sind, rechnen die IWF-Experten für China mit Wachstumsraten von nur noch 6,4 Prozent (2017) und 5,9 Prozent (2018).

Unterm Strich dürften jedoch die Emerging Markets und Entwicklungsländer (EMDEs) zunehmend zu Zugpferden des Weltwirtschaftswachstums avancieren. Während sich in den etablierten Volkswirtschaften eine Stagnation mit dauerhaft gedämpftem Wachstum von nur noch 1,6 Prozent anbahnt, erfreut sich die Gruppe der EMDEs seit 2010 einer ökonomischen Normalität mit Wachstumsraten von durchschnittlich 4,9 Prozent. Für das Jahr 2017 rechnet die Weltbank mit einem Beitrag der EMDEs von 60 Prozent zum globalen Wirtschaftswachstum – und damit mit einem Rekord seit 2013. Gleichzeitig dürften sich die Differenzen zwischen rohstoffexportierenden und -importierenden Ländern mit dem erwarteten Anstieg der Rohstoffpreise ausgleichen.

„Gleichwohl wird der langfristige Ausblick für die EMDEs durch eine Reihe von Faktoren überschattet“, warnen die Weltbankanalysten. Neben demografischen Faktoren und schwachen Investments sind hier vor allem die Unsicherheit über die Zukunft des Welthandels und die Politik in den entwickelten Volkswirtschaften zu nennen. Die Experten versehen alle Prognosen für 2017 daher mit einem großen Fragezeichen.

12.2 Marktforschungsbranche: Die Zeichen stehen auf Wachstum

Nach einem Jahr, in dem der Skeptizismus vieler Marktteilnehmer von einer unerwartet freundlichen Branchenkonjunktur widerlegt worden war, gingen die von ESOMAR befragten Experten optimistischer ins neue Jahr. 68 Prozent von ihnen (2015: 58 Prozent) prognostizierten für das Geschäftsjahr 2016 ein erneutes Wachstum. Nur 12 Prozent erwarteten sinkende Umsätze für unsere Branche, während 20 Prozent von keiner Veränderung ausgingen.

Für Europa stellten sich die meisten Marktteilnehmer auf bestenfalls moderates Wachstum ein. Für Großbritannien wurden Datenanalysen und Beratungsleistungen als Wachstumstreiber genannt, während für Deutschland der kollaborative und flexible Ansatz als Stärke der Marktforschung ins Feld geführt wurde. Von APAC-Marktteilnehmern wurden Probleme wie ein Mangel an gut ausgebildeten Marktforschern, die Abhängigkeit von Regierungen oder den Aktivitäten marktfremder Player als mögliche Risiken für die Branche genannt. In Lateinamerika galten der Kostendruck von Kundenseite (Peru und Brasilien) wie auch Skepsis in puncto Data-Handling (Mexiko) als Faktoren, die das Geschäft beeinträchtigen könnten, während neue Technologien, wachsende globale Vernetzung und das Aufkommen von Online-Befragungstools als die Konjunktur belebende Elemente angesehen wurden.

12.3 Prognose, Auftragseingang und Investitionen

GfK geht davon aus, dass auch 2017 von einer herausfordernden Wettbewerbssituation geprägt sein wird. Die genannten Risiken, insbesondere in Bezug auf die Media-Measurement-Verträge in Brasilien und dem Königreich Saudi-Arabien, bleiben auch im laufenden Geschäftsjahr bestehen. Unabhängig von den Fortschritten beim Erreichen der technischen Leistungsindikatoren sind die Vertragsverhandlungen mit den drei brasilianischen Fernsehsendern noch nicht abgeschlossen. Dies beeinträchtigt auch die Neukundengewinnung. Beim Sektor Consumer Experiences war ein verhaltener Auftragseingang im zweiten Halbjahr 2016 zu verzeichnen. Vor dem Hintergrund dieser Herausforderungen in beiden Sektoren wird es 2017 für GfK schwierig werden, die Vorjahresmarge zu übertreffen.

Unser Fokus liegt unverändert auf Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsposition und der Fortentwicklung unserer Organisationsstruktur, um unser Ziel „One GfK: One Industry, One Region und One Operation“ zu erreichen. Ein Schwerpunkt liegt im Bereich der digitalen Innovation und der Konzentration auf Globale Service Centers, durch die neue zusätzliche Wertbeiträge geschaffen werden sollen. Gleichzeitig wird die Konzernstruktur weiter vereinfacht, das Produktportfolio angepasst und mit digitalem Fokus neu ausgerichtet.

Derzeit gehen wir von einer im Vergleich zum Vorjahr leicht ansteigenden Investitionssumme für Erweiterungs- und Ersatzinvestitionen von rund 80 Millionen Euro (2016: 71 Millionen Euro) aus. Auf der M&A-Seite werden wir weiter mit Augenmaß vorgehen und sich bietende Möglichkeiten sorgfältig prüfen. Interessant sind für uns vor allem technologiegetriebene und datenzentrierte Unternehmen, die uns sofort Mehrwert bieten.Im Sektor Consumer Experiences legen wir den Fokus auf die Optimierung und Straffung der Abläufe. Das Marktumfeld im Ad-hoc-Geschäft wird auch 2017 herausfordernd sein. Vor diesem Hintergrund wird mit leicht sinkenden Umsätzen und einer Marge auf Vorjahresniveau gerechnet.

Im Sektor Consumer Choices sollen die neuen Wachstums- und Margenpotenziale konsequent genutzt werden. POS Measurement als Stammgeschäft wird weiter durch neue Produktkategorien, Industrien und Services ausgebaut und durch Online-Auswertungsmöglichkeiten ergänzt. Der Vorstand erwartet, dass der Sektor moderat wachsen wird. Die Marge sollte sich gegenüber dem Vorjahr moderat verbessern, sofern die anhaltenden Anlaufprobleme bei den beiden Fernsehforschungsaufträgen in Brasilien und im Königreich Saudi-Arabien überwunden werden. Sollten diese Verzögerungen andauern, könnte dies zu Umsatzeinbußen und zusammen mit möglichen Wertberichtigungen auch zu einem Rückgang des (angepassten operativen) Ergebnisses führen.

Für 2017 erwartet die Gruppe, in Abhängigkeit von den genannten Anlaufschwierigkeiten, eine leicht über Vorjahr liegende Umsatzentwicklung und eine AOI-Marge (angepasstes operatives Ergebnis zu Umsatz) auf Vorjahresniveau.

Der Umsatzabdeckungsgrad erreichte per Ende Januar 2017 43,2 Prozent (2016: 43,8 Prozent) des erwarteten Jahresumsatzes. Damit liegt er im Rahmen der Schwankungsbandbreite der letzten fünf Jahre von 37 bis 44 Prozent.

Nürnberg, den 10. März 2017

Dr. Gerhard Hausruckinger
Christian Diedrich
Alessandra Cama
David Krajicek

* Der Ausblick enthält vorausschauende Aussagen über künftige Entwicklungen, die auf aktuellen Einschätzungen des Managements beruhen. Wörter wie „antizipieren“, „annehmen“, „glauben“, „einschätzen“, „erwarten“, „beabsichtigen“, „können/könnten“, „planen“, „projizieren“, „sollten“, „wollen“ und ähnliche Begriffe kennzeichnen vorausschauende Aussagen. Diese vorausschauenden Aussagen enthalten Aussagen zur erwarteten Entwicklung in Bezug auf Umsatzerlöse und das Ergebnis für das Jahr 2017. Solche Aussagen sind gewissen Risiken und Unsicherheiten unterworfen. Beispiele hierfür sind konjunkturelle Einflüsse sowie Veränderungen der Wechselkurse und Zinssätze. Einige Unsicherheitsfaktoren oder andere Unwägbarkeiten, die die Fähigkeit, Ziele zu erreichen, beeinflussen können, werden im Kapitel „Chancen- und Risikobericht“ im Lagebericht beschrieben. Sollten diese oder andere Unsicherheitsfaktoren und Unwägbarkeiten eintreten oder sich die den Aussagen zugrunde liegenden Annahmen als unrichtig erweisen, könnten die tatsächlichen Ereignisse wesentlich von den in diesen Aussagen genannten oder implizit zum Ausdruck gebrachten Ergebnissen abweichen. Wir garantieren nicht, dass sich unsere vorausschauenden Aussagen als richtig erweisen, und übernehmen für diese Aussagen keinerlei Haftung. Die hier enthaltenen vorausschauenden Aussagen basieren auf aktuellen Konzernerwartungen. Diese Aussagen werden im Hinblick auf die Gegebenheiten am Tag der Veröffentlichung dieses Dokuments getroffen. Wir haben weder die Absicht noch übernehmen wir eine Verpflichtung, vorausschauende Aussagen laufend zu aktualisieren.

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