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Brief an die Aktionäre

 

DR. GERHARD HAUSRUCKINGER

Sprecher des Vorstands und CCO 

2016 war ein schwieriges Jahr für GfK. Gleichzeitig konnten wir wichtige Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens stellen.

2016 war ein schwieriges Jahr für GfK. Gleichzeitig konnten wir wichtige Weichen für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens stellen.

Die Aufstellung unseres Unternehmens haben wir entsprechend den Marktanforderungen zu Jahresbeginn 2016 weiterentwickelt, um unserem Ziel „One GfK: One Industry, One Region und One Operations“ näher zu kommen. Hierbei spielte die Einführung einer Einheit „Operations“ mit einer dedizierten Vorstandsverantwortung eine wichtige Rolle. Und auch in Deutschland, unserem größten Markt weltweit, führen wir unser Geschäft seit April 2016 in einer integrierten Organisation.

Ein Schwerpunkt lag im Bereich der digitalen Innovation. Durch ein einheitliches Panel-Management, die Optimierung der Verarbeitung von Daten aus der Nutzung mobiler Endgeräte und die Konzentration auf globale Service Center und standardisierte Data-Center-Plattformen sollen zusätzliche Wertbeiträge geschaffen werden. Unsere neuen Software-Applikationen wie Retail Scout oder Crossmedia Visualizer nutzen fortschrittliche und leistungsfähige Web-Technologien. Damit bieten wir unseren Kunden noch schnellere und interaktivere Analyseergebnisse.

Wichtige Großprojekte haben wir neu ausgerichtet und uns durch gezielte Zukäufe im digitalen Bereich weiter verstärkt. Gleichzeitig haben wir weniger zukunftsträchtige Aktivitäten reduziert. 

Dennoch: Die wirtschaftliche Entwicklung unseres Unternehmens war nicht zufriedenstellend. 

Beim Umsatz verzeichnen wir für 2016 einen Rückgang um insgesamt 3,9 Prozent. Zusätzlich zum organischen Umsatzrückgang von 1,7 Prozent wirkten Währungseffekte mit 1,6 Prozent negativ. Wir gehen davon aus, dass wir im weltweiten Markt Anteile verloren haben.

Im Sektor Consumer Experiences lag 2016 der Fokus darauf, die Abläufe zu straffen und die Kundenorientierung zu stärken. In einem wie erwartet herausfordernden Marktumfeld lag die Entwicklung mit einem organischen Umsatzrückgang um 6,4 Prozent und einer Marge in Höhe von 6,7 Prozent unter unseren Erwartungen.

Im Sektor Consumer Choices sollte ein deutliches Umsatzwachstum erreicht und der Umsatzanteil,
bezogen auf den Gruppenumsatz, weiter erhöht werden. Die Marge sollte sich gegenüber dem
Vorjahr verbessern. Insgesamt lag hier bei einer organischen Umsatzentwicklung von +4,1 Prozent
die Marge mit 16,8 Prozent deutlich unter unseren Erwartungen. Maßgeblich hierfür waren
vor allem die noch andauernden Schwierigkeiten bei den beiden Fernsehforschungsaufträgen in
Brasilien und im Königreich Saudi-Arabien sowie Verzögerungen bei den Wachstumsinitiativen.
Insgesamt verzeichnet der Markt weiterhin Rückgänge in der „traditionellen“ Marktforschung.
Beratungsorientierte Unternehmen sowie die Bereiche Online-Forschung und Software wuchsen
hingegen. Dieser Entwicklung entsprechend arbeiten wir wie bereits in den Vorjahren daran,
unser Produkt- und Leistungsportfolio weiterzuentwickeln und bestehende Produkte zu verbessern.
Dabei fokussieren wir uns nach wie vor auf digitale Produkte und Lösungen.

So bauten wir beispielsweise im Sektor Consumer Experiences durch den Kauf von Netquest Anfang des Jahres 2016 unsere Online-Panels und unsere technologischen Plattformen für die Erhebung und Bereitstellung von Daten konsequent weiter aus. Netquest ist ein führender Anbieter von hoch qualifizierten, geräteübergreifenden digitalen Panels und verhaltensbezogenen Daten. Diese Akquisition umfasste auch die Tochtergesellschaft Wakoopa, die führend im Bereich der passiven geräteübergreifenden Messtechnologie ist. Netquest ist derzeit insbesondere auf der iberischen Halbinsel und in Lateinamerika aktiv. Wir treiben die Expansion in weitere wichtige Märkte intensiv voran.

Einen weiteren vielversprechenden Ansatz haben wir 2016 intensiv vorbereitet und vor Kurzem,
im Februar 2017, auf den Markt gebracht: SUPERCRUNCH by GfK bietet Kunden eine ganz neue
Art automatisierter und benutzerdefinierter Analysen. Damit können schnell und kosteneffizient
zentrale Marketingfragen gelöst werden. Basis dafür sind Daten der jeweiligen Kunden, von GfK
und aus Drittquellen, die miteinander verknüpft und mithilfe intelligenter Analysetechnologien
ausgewertet werden. Zusätzlich zum bisherigen Kernangebot unseres Unternehmens richtet sich
bei SUPERCRUNCH by GfK der Fokus vollständig auf die Datenanalyse und ihre technische Implementierung
in Entscheidungssystemen bei unseren Kunden, nicht auf die Datenerhebung.

Weniger zukunftsträchtige Aktivitäten haben wir reduziert. Im zweiten Quartal 2016 haben
wir beispielsweise den Verkauf der weltweiten Marktforschungsaktivitäten im Bereich Pflanzenschutz
und Tiergesundheit abgeschlossen. Sie waren dem Sektor Consumer Choices zugeordnet.

Im vorigen Geschäftsjahr hatten wir unsere Konzernstruktur bereits deutlich vereinfacht, indem wir die Überkreuzbeteiligung mit dem amerikanischen Marktforscher The NPD Group beendet und durch eine vertragliche strategische Partnerschaft ersetzt haben. Seitdem ist der Anteil am Konzerngewinn, der Minderheitsaktionären zusteht, stark zurückgegangen. Eine weitere Vereinfachung der Konzernstruktur wird durch die Zusammenlegung von Gesellschaften möglich. Dadurch steigern wir die Effizienz. Hier sind wir 2016 gut vorangekommen und führen diese Schritte konsequent fort. 

Unsere Systeme für Business- und Finanzinformationen haben wir weiter optimiert und standardisiert. Dabei haben wir sowohl Systeme in weiteren Teilen unseres Geschäfts implementiert als auch entsprechend den Veränderungen in unserer geschäftlichen Aufstellung angepasst. Im Jahr 2016 haben wir beispielsweise in zusätzlichen zehn Ländern (vor allem in der Region Asien und Pazifik) Programme eingeführt mit dem Ziel, unsere Prozesse und die Berichterstattung zu vereinheitlichen und zu steuern. In Lateinamerika und weiteren Ländern haben wir die Einführung für 2017 vorbereitet. Damit decken wir zurzeit 83 Prozent des Umsatzes mit unserem neuen System ab. Das erhöht die Transparenz und ermöglicht eine bessere Steuerung unserer Projekte und Prozesse. 

Eine wesentliche Weichenstellung für die Zukunft unseres Unternehmens wurde Ende des Jahres mit dem freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot von Acceleratio Capital N.V., einer Holdinggesellschaft im Besitz von Fonds, die durch Kohlberg Kravis Roberts & Co. L.P. beraten werden, erreicht.

Während unserer intensiven Arbeit an der Transformation von GfK in den letzten Jahren haben wir
zusammen mit dem Aufsichtsrat gleichzeitig auch zusätzliche strategische Optionen untersucht.
Die Transaktion mit KKR ist aus unserer Perspektive im besten Interesse des Unternehmens, der
Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden. Daher freuen wir uns sehr, dass viele Aktionäre das Angebot
von KKR angenommen haben. Damit haben wir starke Partner an unserer Seite, um unsere
Wachstumsstrategie konsequent und schnell umzusetzen. Gemeinsam werden wir GfK fit für die
Zukunft machen und unseren Kunden herausragende Produkte und Lösungen bieten.

Auch das Jahr 2017 wird von einer herausfordernden Wettbewerbssituation geprägt sein. Derzeit
gehen wir von einer im Vergleich zum Vorjahr leicht ansteigenden Investitionssumme für
Erweiterungs- und Ersatzinvestitionen aus. Bei Firmenübernahmen werden wir weiter mit Augenmaß
vorgehen und die sich bietenden Möglichkeiten sorgfältig prüfen. Interessant sind für uns vor
allem technologiegetriebene und datenzentrierte Unternehmen, die uns schnell Mehrwert bieten.

Im Sektor Consumer Experiences richten wir den Fokus auf die Optimierung und Vereinfachung
unserer Abläufe und unseres Produktportfolios. Das Marktumfeld im Ad-hoc-Geschäft
wird auch 2017 herausfordernd sein. Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit leicht sinkenden
Umsätzen und einer Marge auf Vorjahresniveau.

Im Sektor Consumer Choices sollen Wachstums- und Margenpotenziale konsequent genutzt werden. Das Point of Sales Measurement als Stammgeschäft wird weiter durch neue Produktkategorien und Services ausgebaut und durch moderne Online-Auswertungsmöglichkeiten ergänzt. Wir erwarten, dass Consumer Choices moderat wachsen wird. Die Marge sollte sich gegenüber dem Vorjahr verbessern, sofern die anhaltenden Anlaufprobleme bei den beiden Fernsehforschungsprojekten in Brasilien und im Königreich Saudi-Arabien überwunden werden können. Sollten diese Verzögerungen andauern, könnte dies zu Umsatzeinbußen und zusammen mit möglichen Wertberichtigungen auch zu einem Rückgang des angepassten operativen Ergebnisses führen.

Für 2017 erwartet die Gruppe, in Abhängigkeit von den genannten Anlaufschwierigkeiten, eine leicht über Vorjahr liegende Umsatzentwicklung und eine AOI-Marge (angepasstes operatives Ergebnis zu Umsatz) auf Vorjahresniveau. 

Im Namen des Vorstands danke ich unseren mehr als 13.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die die umfassenden Veränderungen mit hohem Einsatz mittragen und mitgestalten. Sie sind es, die die Bedürfnisse und Aktivitäten der Konsumenten analysieren und mit ihrem Wissen, ihrer Expertise und Leidenschaft unseren Kunden dabei helfen, aktuelle und zukünftige Herausforderungen zu meistern. 

Auch unseren Aktionären und dem Aufsichtsrat danke ich im Namen des Vorstands für das Vertrauen und die Unterstützung, die Sie uns in herausfordernden Zeiten entgegenbringen.

 

Ihr 

DR. GERHARD HAUSRUCKINGER

General